Stuhl Nr. 14

In der Geschichte des modernen Möbeldesigns spielt der Stuhl Nr. 14 der Gebrüder Thonet eine Rolle von unschätzbarem Wert. Der auch als Drei-Gulden-Stuhl bekannte Entwurf gilt als eines der am häufigsten produzierten Sitzmöbel der Welt, wenn nicht als eines der erfolgreichsten Industrieprodukte überhaupt. Exemplarisch steht er für den Aufstieg der Firma Thonet zu einem der frühesten Global Player. Seit ca. 1830 hatte Michael Thonet (1796–1871) das Bugholzverfahren zur Perfektion getrieben und dieses zu einer der ersten industriellen Fertigungsmethoden ausgebaut: Das von ihm entwickelte Biegen von massiven Holzteilen erlaubte es erstmals, ein Möbel in seinen Einzelteilen – unabhängig von einander, teils an verschiedenen Orten gefertigt – zu produzieren. Thonet gelang es hierdurch, für möglichst wenig Geld Möbel in hohen Stückzahlen herzustellen, die aufgrund ihrer Zerlegbarkeit leicht transportierbar und somit international zu erstehen waren. Bei dem 2010 in Die Neue Sammlung gekommenen Exemplar handelt es sich um eines von sechs wertvollen Urmodellen des Nr. 14, die ursprünglich aus dem Königshaus Hannover stammen. Anders als die ab 1861 vollständig massiv gefertigten Stühle der Serie, besteht dieses auf die Zeit um 1856 datierte Objekt noch aus schichtverleimten Holzteilen und bezeugt somit, dass sich Thonet über mehrere Jahre hinweg mit der Entwicklung des späteren Verkaufsschlagers beschäftigte, der durch seine reduzierte Form auch stilistisch die Moderne anklingen ließ.
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Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo)
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Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo)
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Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo)
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Die Neue Sammlung – The Design Museum (A. Laurenzo)