TOSHIYUKI KITA | NEUE EINRICHTUNGSTYPOLOGIEN
" Ein Sessel, der sich den menschlichen Formen anpasst": so
definiert der Japaner Toshiyuki Kita den Sessel Wink (1980),
der aus einer komplexen Verflechtung westlicher und östlicher Stileigenheiten besteht. Als Sessel oder Chaiselongue
zu benutzen, wenn man den Sitz nach vorne klappt, besitzt Wink eine verstellbare
Rückenlehne und eine zwei geteilte Kopfstütze, deren Hälften unabhängig voneinander
geneigt werden können. Das Objekt eignet sich für viele verschiedene Gebrauchszwecke
und fordert zur informellen Haltung auf, so dass der Mensch immer frei in seinen
Bewegungen sein kann.
GAETANO PESCE | FORMELLE EXPERIMENTE WERDEN ZU PRODUKTEN
Die Polstermöbel, die Gaetano Pesce in den siebziger und achtziger Jahren für
Cassina entwirft, sind ein Paradigma seiner Überzeugung, dass jeder seinen Geschmack
selbst bestimmen sollte. Die übermäßige Verplanung und Bevormundung, die sich
im 19. Jahrhundert durchgesetzt hatte - so erklärte er - habe zu einer unmerksamen
Repression des Verbrauchers geführt; innerhalb der allgemeinen Homologierung
wäre das Leben nicht mehr spontan genug. Pesce ist davon überzeugt, dass Leben
bedeutet, anders zu sein und dass auch Gegenstände von diesem Recht Gebrauch
machen dürfen. Die Form der Sitze von Sit Down (1975) z. B. variiert von Stück
zu Stück, auch wenn die formelle Ausrichtung der Gesamteinheit immer die gleiche
bleibt. Der Polyurethanschaum wird in weniger komplexer Form verwendet, um ähnliche
aber nicht identische Serienstücke zu erhalten. Die Polstermöbel sind aus einem
einzigen Polyurethanblock, der in eine Form gespritzt wird, die mit einer Polyesterwatte-Steppdecke
ausgekleidet ist, auf welche die vertikale Tragstruktur aus mit Riemen verstärktem
Stahl gestellt wurde. Das Polyurethan schäumt frei und ungehemmt und drückt sich
negativ gegen Rückenlehne und Sitz der Gussform ab, wobei das Ergebnis jedes
Mal anders ausfällt.
Das Sofa Tramonto a New York (1980) bestätigt die Metaphore von Gaetano Pesce über
das Design: seine Objekte sind erst das Mittel, um Empfindungen auszudrücken,
und werden dann erst zu Objekten. New York befindet sich in der Dekadenz, ist
das der Sonnenuntergang? Pesce drückt diese Empfindung in einem Einrichtungskonzept
aus. Das Sofa Tramonto a New York ist eine Einheit aus verschiedenen Elementen,
die als Sitze, Armlehnen (Wolkenkratzer von New York) und Rückenlehne (die rote
Sonne) fungieren; diese Elemente sind miteinander verbunden und werden durch
schwarze U-förmige Bügel zusammen gehalten. Die Struktur besteht aus einem Rahmen
von Mehrschichtplatten, aus einem Buchenholzrahmen mit Riemen (für die Sitze)
und einer Bewehrung mit Sprungfedern (der halbmondförmige Kreis der Rückenlehne).
Die Polsterung ist aus geformten Polyurethanblöcken; es gibt einen ersten, mit
Polyesterwatte gefüllten Bezug, der vor dem Hauptbezug aufgezogen wird.
Der Tisch Sansone (1980) ist ein weiterer Beweis für das Bedürfnis von Pesce,
diversifizierte Objekte in Serie herzustellen. Der Tisch ist aus Druckguss-Polyesterharz.
Die drei möglichen Varianten - fast rechteckig, fast quadratisch, fast rund -
werden in den drei Farben weiß/rot/grün erzeugt und fallen jedes Mal anders
aus.
"
Die Zukunft gehört dem weichen Material! Filz kann man biegen, wie man
will, zu einem Schrank oder zu einem Sessel. So will ich die Möbel der
Zukunft entwickeln". Die Forschung nach neuen Materialien und Technologien
steht immer noch ganz oben auf der Interessenliste von Pesce. Das Mod.
375, I Feltri (1987) ist zum Beispiel aus dickem Filz, der mit wärmegehärtetem
Harz getränkt wird und eine große Formenfreiheit bietet. Im Sessel ist
eine gesteppte Matratze mit Druckknöpfen angebracht, die abgenommen werden
kann. Der Sitz ist durch Hanfbänder an die Struktur gebunden, mit denen
auch der obere, weiche Teil des Sitzes umwunden ist.
GIO PONTI | DIE
LEICHTEN STÜHLE
Die Tätigkeit des Unternehmens war in den fünfziger Jahren stark an die kreative
Genialität von Gio Ponti gebunden. In seinen Einrichtungsprojekten der damaligen
Jahre scheinen zwei entgegen gesetzte Tendenzen zusammen zu leben: einerseits
der Klassizismus dekorierter Möbel, die er zusammen mit Piero Fornasetti realisierte,
andererseits die steigende Anziehung zum Modernismus, zu Objekten, die zum "Leichten,
Feinen tendieren".
Der Stuhl Mod.646 von Gio Ponti, Leggera genannt, ist eine Zwischenstufe
im Entwicklungsprozess
der Projekte, die sich mit modernen Stühlen befassen, Später wird daraus
das Mod. 699 Superleggera,
einem der Archetypen des italienischen Design.
Im Jahr 1949 wird in Domus (240) ein lackierter Eschenstuhl veröffentlicht, der
schon einige formelle Paradigmen der Forschung von Ponti enthält - die geneigte
Rückenlehne und die zugespitzten Beine. Cassina nimmt das Modell 1952 in Produktion,
aber erst 1957 erreichen die Studien von Ponti über den Stuhl, oder besser gesagt
den "Stuhl-Stuhl, schlicht und ohne Adjektive, ein ganz normaler Stuhl...
und basta, leicht, fein, vorteilhaft" (Domus 268, 1952) ihre Vollendung.
Abgeleitet von den typischen Stühlen aus Chiavari, den "Chiavarine" der
ligurischen Tradition, ist Superleggera indiskutabel das
Ergebnis gezielter Forschung
von Gio Ponti. Seine Fähigkeit und Kapazität zur Experimentierung und die von
Cassina und ihren Handwerkern, die durch stetiges Erleichtern der Struktur und
Veränderungen der Form der Stuhlbeine der ersten Version Leggera die endgültige
Lösung finden, ergeben das perfekte Gleichgewicht zwischen Solidität und Leichtigkeit.
Dank der dreieckigen Form der Stuhlbeine von nur 18 mm Seite und dem Gewicht
von leichten 1,66 kg hat man die Grenze der Identifizierung der Strukturform
erreicht. Ein sehr leichter aber besonders robuster Stuhl, von dessen unglaublichen
Prüfungen Gio Ponti selber erzählt: "Wenn Sie zu Cassina gehen, können Sie
selbst sehen, was die man damit anstellen, sie werfen die Stühle in die Luft,
die nach unglaublichen Flügen, längs und quer, aufprallen und wieder hochspringen
und nie kaputt gehen". (Domus 268, 1952)
Seit fast fünfzig Jahren erzeugt und verkauft, ist Superleggera ein
starkes Symbol der Dialektik zwischen der Poesie des Designers und dem technologisch-handwerklichen
Gewissen des Unternehmens. Aus lackiertem oder unbehandeltem Eschenholz,
wird der Stuhl heute nur noch mit Sitz aus indischem Rohr angeboten, in enger
Anbindung
an die Tradition der "Chiavarine", der Stühle aus Chiavari.
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