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Computer Culture

Der Exkurs Computer Culture mit ausgewählten Beispielen zu Hardware und Anwendungen schließt als nächster Themenschwerpunkt direkt an den Bereich Fahrzeugdesign an, ist doch Computertechnologie beim Designprozeß genauso einflußreich und unverzichtbar geworden wie bei modernen Produktions- oder Kommunikationsprozessen und zahllosen Alltagsgeräten unserer hochtechnisierten Zivilisation – mit weitreichenden Auswirkungen auf die Form der Dinge bis zu ihrer nur noch virtuellen Existenz im Cyberspace.
Die Anfänge des Computers reichen weit zurück – mechanische Rechenmaschinen gab es bereits im 17. Jahrhundert. Den ersten voll funktionsfähigen, programmgesteuerten und frei programmierbaren Computer stellte Konrad Zuse 1941 fertig. Doch am folgenreichsten für unser Leben waren die letzten Jahrzehnte: 1968 entstand die erste ‘Maus‘, 1971 der Mikroprozessor, 1980 die erste Festplatte, 1981 der erste tragbare Computer, 1990 das ‘World Wide Web‘ …
Die ‘digitale Revolution‘ veränderte auch das Design grundsätzlich. Durch die Mikroelektronik schrumpften die Bauteile elektronischer Geräte auf ein Minimum. Die Gestaltung musste keine Rücksicht mehr auf innere, mechanische Funktionen nehmen, sondern hatte sich vor allem an der menschlichen Anatomie zu orientieren. Namhafte Entwerfer (Bill Moggridge, Ettore Sottsass, Richard Sapper, Mario Bellini, Hartmut Esslinger von Frog etc.) beschäftigten sich mit der Hardware. Die zunehmende Anzahl an Bedienfunktionen, die Schnittstelle von Computer und Mensch, das Interface, entwickelte sich zu einer neuen Designaufgabe: ‘Benutzerfreundlichkeit‘, sich selbst erklärende Gestaltung von Geräten der Unterhaltungselektronik, der Informationstechnologie sowie von Software-Produkten gehören dazu. Der Einsatz von Computern revolutionierte rasend schnell den Design- und Produktionsprozess, verdrängte Papier und Stift aus der Hand des Entwerfers. Die Auswirkungen sind enorm: Kaum ein Designer oder Architekt kommt noch ohne ‘Computer Aided Design‘ (CAD) aus. Die dreidimensionalen Modelle – früher mühsam aus Holz angefertigt – kommen nun im Handumdrehen aus den angeschlossenen Peripheriegeräten (Stereolithographie). Der radikale Wandel ergreift nicht nur die Form, sondern auch die Substanz der Dinge. Virtuelles Design läßt sie im Cyberspace verschwinden und – auf Abruf – wieder auftauchen. Nicht minder revolutionär veränderte der Computer das Grafik-Design unserer Tage. Die Gestaltung von Büchern, Plakaten und anderen grafischen Objekten – von Websites ganz abgesehen – erfolgt vorwiegend via Bildschirm. Der Computer ermöglichte die Entwicklung von neuen Schriften und neuen Gestaltungsformen (z.B. Neville Brody oder David Carson) bis hin zu den dynamischen Grafiken eines John Maeda. Computergenerierte Bildwelten prägen mehr und mehr unsere Wahrnehmung. Das Zusammenspiel von Technologie und Fantasie stellt auch das Design vor neue Herausforderungen, auf die es Antworten zu finden hat. In bewußt hartem Schnitt wird dieser aktuelle Gipfel einer Entwicklung kontrastiert mit dem Blick zurück in die Historie, beginnend bei den Vorreitern der Moderne und Inkunabeln aus ihrer Frühzeit.